Version 7.6

Februar 2009

Freiwilliger Polizeidienst Berlin

Der Landesschutzpolizeidirektor a.D., Herr Gernot PIESTERT, äußerte sich in der Mitarbeiterzeitung der Polizei Berlin (Ausgabe 4, Oktober 2002) wie folgt:

Abschiedsgruß für den Freiwilligen Polizeidienst

Sehr geehrte Damen und Herren des Freiwilligen Polizeidienstes, seit über 40 Jahren hat sich der Freiwillige Polizeidienst, in früheren Jahren Freiwillige Polizei-Reserve genannt, an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unserer Stadt beteiligt und damit einen direkten Bürgerbeitrag für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung geleistet. Der Senat von Berlin hat sich zu einer Auflösung des Freiwilligen Polizeidienstes entschlossen. Aus diesem Grund spreche ich Ihnen meine Anerkennung für die geleisteten Dienste sowie meinen tiefen Respekt vor Ihrer uneingeschränkten Einsatzbereitschaft und Treue zur Berliner Polizei aus. Ich bedanke mich bei Ihnen im Namen der Berlinerinnen und Berliner und auch im Namen aller Polizeiangehörigen für Ihr Engagement zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in dieser Stadt.

Als der Kommandeur der Schutzpolizei, Erich Duensing, am 21. August 1959 dem Senator für Inneres einen Entwurf zur Aufstellung von Betriebshundertschaften vorlegte, sollte dieses Polizeihilfskorps in einer Gesamtstärke von 4.000 Mann aus Angehörigen der Industrie, Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes den bewaffneten Schutz innerhalb und außerhalb ihres Betriebes bei auftretenden Unruhen übernehmen. Hintergrund waren die aggressive Forderung der damaligen Sowjetunion, West-Berlin in eine Freie Stadt umzuwandeln, und die Befürchtung, dass die östliche Seite zur Förderung ihrer Ziele Angehörige militärischer und halbmilitärischer Formationen in die Westbezirke einsickern lassen vürde, um durch die Inszenierung von Krawallen oder gar bürgerkriegs ähnlichen Vorgängen die verfassungsmäßige Ordnung zu gefährden.

Nach einer umfangreichen Vorbereitungsphase und Zustimmung der Westalliierten hat dann der Senator für Inneres, Joachim Lipschitz, am 27. September 1961 den ersten, ausgebildeten Freiwilligen die Bestellungsurkunden überreicht.

Nachdem die Reservisten, anfänglich nur zum Objektschutz abgestellt wurden, übertrug man ihnen in den folgenden Jahren auch Aufgaben wie Überwachung des ruhenden Straßenverkehrs, Präsenzdienst in Grünanlagen und auf Friedhöfen sowie Veranstaltungsschutz. Dabei haben sie sich besonders bei den Maifeiern vor dem Reichstagsgebäude, bei Staatsbesuchen (J.F. Kennedy, Königin Elisabeth II., Schah von, Persien) und auch bei Sport- Großveranstaltungen verdient gemacht

 

Aber auch bei der Aktion "Borkenkäfer 1972", bei der 400 Reservisten drei Monate lang Wald abholzen mussten, hatten sie sich hilfreich gezeigt. Diese vielfältigen Aufgaben führen nicht nur zu einer erheblichen Entlastung der Schutzpolizei, sondern haben auch zu einer Erhöhung der Motivation der Freiwilligen beigetragen, was schließlich 1985 zu einem Bestand von 3.000 Reservisten aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen führte.So wichtig und notwendig sich die FPR erwiesen hatte, so sehr wurde auch immer wieder ihre generelle Daseinsberechtigung angezweifelt, war doch der Kalte Krieg vorbei, und erfreute sich Deutschland der Vereinigung von Ost und West.

Hervorzuheben ist, dass der FPR und dem FP nicht nur Berliner Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit angehörten, sondern auch ausländische Bürger sowie seit einer Entscheidung des Senators für Inneres, Heinrich Lummer, seit Februar 1985 auch Frauen.

Während die Angehörigen der Freiwilligen Polizei-Reserve bis 1999 einberufen, d. h. zum Dienst verpflichtet werden konnten, vurden sie nach Inkrafttreten des neuen Gesetztes über den Freiwilligen Polizeidienst (FP) im Mai 1999 nur noch nach freiwilliger Meldung in ihrer Freizeit eingesetzt. Mit dem Gesetz war beabsichtigt, die Freiwillige Polizei- Reserve aus einem Reservedasein herauszulöset, und in einen aktiven ehrenamtlichen Dienst zu überführen. Dabei sollten die Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten der FP-Leistenden im täglichen Dienst der Polizeiabschnitte im besonderen Maße zu einer verstärkten Integration in das Aufgabenspektrum und in die Miitarbeiterschaft der Polizei beitragen. Auf diese Art wurde für die Berliner Bürger die Möglichkeit geschaffen, polizeiliche Basisarbeit mitzuerleben und mitzugestalten und, sozusagen als Bindeglied zwischen Bürger und Polizei, die Arbeit der Polizei für die Bevölkerung transparent und nachvollziehbar zu machen.

Ich stelle fest, dass der Einsatz der freiwillig Dienstleistenden, nicht nur wirtschaftlich war, sondern auch der Grundgedanken der Verantwortlichkeit des Bürgers für sein Gemeinwesen hervorhob und dabei gleichzeitig demokratische Zielvorstellungen vermittelte. Die mit Schaffung des FPG gelungene Synthese vom "Bürger in Uniform" findet in anderen Bundesländern Anerkennung und Nachahmung, weil auch dort neben dem Kosten-Nutzen-Effekt der gesellschaftspolitische Gewinn für die Demokratie, insbesondere aber auch für das

unmittelbare Zusammenleben der Menschen erkannt wird. Darüber hinaus habe ich das ausgezeichnete Einsatzengagement der Dienstleistenden hervorzuheben, das, von hoher Motivation getragen, zum Erfolg der gesamten Polizei erheblich beitrug. Dafür danke ich auch allen Sachbearbeitern der örtlichen Direktionen, die durch ihre hohe Sachkompetenz und Kooperationsbereitschaft sowie durch ihren unermüdlichen Fleiß ebenfalls am Gesamtergebnis erfolgreich mitgewirkt haben.

Der Freiwillige Polizeidienst hat seine Arbeit beendet. Die Arbeitsleistung der zuletzt 565 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FP wird zukünftig von den Vollzugsbeamtinnen und -beamten zu tragen sein.

Ich verbeuge mich vor allen Damen und Herren der Freiwilligen Polizei-Reserve und des Freiwilligen Polizeidienstes in Dankbarkeit und Respekt

 

Gernot Piestert                                                                                                                                                  (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion von “Polizei Berlin”)

http://www.berlin.de/polizei/Wirueberuns/mitarbeiterze itung_aug2002.html

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